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Ist es wirklich nur eine Karnevalslaune, aus der heraus Friedrich II. im Januar 1749 »Das Palladion – Ein ernsthaftes Gedicht in sechs Gesängen« schreibt? Nicht nur Ludwig XV. in Paris ist sofort brennend daran interessiert zu erfahren, wie der Preußenkönig über »die heiligsten Dinge« spricht, und sein Diplomat in Preußen berichtet nicht nur über diesen Text, sondern ist sogar selbst eine der Figuren des vorgelegten Epos, das eine militärische Operation der Österreicher aus dem Zweiten Schlesischen Krieg, genauer aus der Nacht vom 3. zum 4. September 1744 aufgreift. Die Leser finden in dem Gedicht ein Kaleidoskop von tatsächlichen Begebenheiten und Aktionen Gottes, der Gottesmutter Maria sowie einer Reihe christlicher Heiliger, zu denen im Text auch Luther und Calvin zählen. Friedrich erweist sich dennoch als außerordentlich bibelfester und in Heiligenlegenden sehr belesener Zeitgenosse. Der Hintergrund dieser Spielerei aber ist eine handfeste Betrachtung philosophischer und religionskritischer Argumente der aufklärerischen Diskussionen in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Friedrichs Gedicht eröffnet dabei den Blick auf seine gedankliche Leistung, religiöses und rationales Denken seiner Zeit für sich selbst in Einklang zu bringen. Die Art und Weise dieser Vermittlung zeigt Friedrich II. in der Tradition der mit dem Thesenanschlag von Wittenberg 1517 beginnenden Reformation stehend. Alexander Bandilla lässt in der Lesung zum einen die Sinnlichkeit diese Textes erlebbar werden, die vom Witz über Sarkasmus, Satire und Ironie bis zu Boshaftigkeiten reicht, und betrachtet zum anderen die religionskritischen und philosophischen Hintergründe dieses Gedichts.


Erwachsene
Eintritt: 6 €
Karten unter
(03391) 2122